Kinder-, Jugend- & Gemeindezentrum

Maricela Guadamud – eine inspirierende Frau mit großartigen Motiven fürs Leben!

28.01.2019

Maricela Guadamud – eine inspirierende Frau mit großartigen Motiven fürs Leben!

Maricela ist seit ihrem siebten Lebensjahr ein Teil von SALEM Ecuador! Mit unserer langjährigen Unterstützung doch vor allem durch Talent und Ehrgeiz konnte sie ihren Traum, Grafikdesign zu studieren, erfüllen. Heute arbeitet die Ecuadorianerin als freiberufliche Designerin und wir sind stolz auf eine Zusammenarbeit mit ihr, wie zum Beispiel beim Projekt „SALEM Handmade“.

Im Zusammenhang mit unserem „Vivir Mi Vida – Stipendienprogramm“ haben wir Maricela gebeten, uns einige Fragen über ihren Beruf, ihre Erfahrung in SALEM und die Wichtigkeit einer guten Ausbildung zu beantworten.


Ausbildung & Berufsleben

Kannst du uns etwas über deinen Beruf bzw. deine momentane Arbeitssituation erzählen?

Ich bin Grafikdesignerin und freiberuflich tätig. Außerdem gestalte ich Wandmalereien und entwerfe Trinkbrunnen für Kolibris. 2019 werde ich ein Projekt starten, um Blumentöpfe aus recycelten Flaschen zu kreieren.

Wenn Du etwas verändern oder verbessern willst, wenn auch nur ein bisschen, musst Du von innen anfangen.

Was motiviert dich? Was inspiriert dich?
Was mich motiviert? Design! Nur so kann ich wieder das kleine Mädchen von früher sein. Es treibt mich an, glauben, träumen und schlussendlich realisieren zu können.

Designerin sein heißt, niemals aufhören, kreativ, neugierig, wagemutig und leidenschaftlich bei der Arbeit zu sein.

Vor allem inspirieren mich Menschen, die nach Innovation und persönlicher Entwicklung streben.

Wann wusstest Du zum ersten Mal, was Du im Leben machen willst?
Ich wusste es einfach. Ich wusste eben immer schon, dass ich genau das machen würde, was mein Herz mir sagt. Zeichnen war schon immer eine große Leidenschaft, vor allem als ich noch nicht schreiben konnte.

Eines Tages sah ich einer Freiwilligen aus SALEM beim Zeichnen zu und es war so schön, dass ich dachte: „Ich will eines Tages auch so gut wie sie zeichnen können!“

Zu dieser Zeit konnte ich bereits gut zeichnen, doch ihre Bilder inspirierten mich zu mehr. Ich war damals 12 Jahre alt als ich entschied, Designerin zu werden. Bei einem Orientierungstest für die Universität bekam ich folgende Empfehlungen: Architektur, Design und Kunst. Somit war für mich die Richtung klar und Design war mein absoluter Favorit. Mir gefiel der einerseits künstlerische Teil der Designarbeit, andererseits der industrielle Teil mit vielen Möglichkeiten.

Wann hast du mit Lernen begonnen?
Seit ich ein Kind bin liebe ich es, zu Lernen und zu Studieren. Dabei habe ich vor allem Fertigkeiten, die man nicht in der Schule lernt, geübt und verbessert. Heute lese ich gerne über Philosophie, Kunst, Wissenschaft, Anthropologie, Nachhaltigkeit und andere Themen, die mich persönlich interessieren!

Welche Auswirkungen hat dein Studienwunsch auf die Situation bei dir zuhause gehabt?
Ich habe mir wirklich Zeit genommen für mein Studium. Ich wollte nicht, dass meine Mutter oder mein Vater sich einmischen. Mein Vater hat eine abgeschlossene Schulbildung, meine Mutter hatte diese Möglichkeit nicht, weil sie eine Frau ist. Ich bekam die Möglichkeit und nutzte sie.

Viele Menschen in meinem Umfeld waren mir gegenüber hilfsbereit und ich habe ihre Unterstützung dankend angenommen.

In meiner Familie bin ich die einzige mit einer höheren Schulausbildung. Ich will ein Vorbild für meine Nichten und Neffen sein. Sie sollen sehen, dass mit Ehrgeiz und Engagement alles möglich ist.

Was ist das Wichtigste bei der Wahl des Studiums oder des Berufs?
Wir haben alle verschiedene Fähigkeiten. Wenn jeder das machen würde, was ihm gefällt, hätten wir kompetente Fachleute in allen möglichen Berufsfeldern.

Wir sollten unsere Fähigkeiten wahrnehmen und ausnutzen, um uns in diesem Bereich zu verbessern und zu entwickeln,

unabhängig vom Einstiegsgehalt und der Berufsmöglichkeiten.

Ist es für Frauen schwieriger, eine akademische und berufliche Karriere zur verfolgen?
Ich denke schon. In Ecuador gibt es immer noch Ungleichheiten in der Ausbildung für Frauen.

Der Machismus ist einer der Gründe, warum viele Eltern nicht wollen, dass ihre Tochter studiert.

Sie sind der Meinung, dass die jungen Frauen zur Universität gehen, um einen Mann zu finden. Oft passiert es, dass junge Frauen schwanger werden und deshalb in den meisten Fällen ihre Ausbildung abbrechen und sich ihren Kindern widmen. Ich denke, dass es in Ecuador einen großen Mangel an sexueller Aufklärung gibt und dass deshalb viele Frauen jung schwanger werden. Somit ist die Frage klar mit „Ja“ zu beantworten: eine Frau mit mangelnden Kenntnissen über Verhütung und Sexualität beendet sehr oft frühzeitig ihre Ausbildung oder beginnt erst gar kein höheres Studium.

Was ist die größte Herausforderung, die sich dir in deiner schulischen und beruflichen Laufbahn gestellt hat?
Eine große Herausforderung war die Anpassung an das Studentenleben, das sich sehr von meinem Alltag in Mindo unterschied. Die UDLA (Universidad de las Américas) in Quito, an der ich studiert habe, wird eher von Studenten aus mittleren und höheren sozialen Schichten besucht. Als introvertierter Mensch kam ich mir anfangs den anderen gegenüber minderwertig vor.
Nach dem ersten Semester bemerkte ich jedoch, dass ich das richtige Studium gewählt hatte.

Ich schämte mich nicht mehr für die Tatsache, weniger Geld zu haben, denn meine Fertigkeiten und Arbeiten wurden gelobt und gut benotet.

Einige meiner Mitschüler kamen sogar zu mir, wenn sie Hilfe brauchten.

Warum ist Bildung wichtig?
Ich denke, dass Bildung wichtig ist. Mit Bildung meine ich die Übermittlung von Grundsätzen und Werten. Information alleine wird von Menschen nur zu ihrem eigenen Vorteil genutzt, für Schlechtes und nicht für Gutes.

Es ist natürlich wichtig, sich zu bilden. Aber nicht, um nur Fachleute, sondern vor allem um Menschen zu werden, die einer Gemeinschaft dienen und sie verbessern können!

Ecuador braucht qualifizierte und kompetente Arbeitskräfte!


Auf den ersten drei Bildern der Gallerie steht Maricela da, wo heute das Klassenzimmer der Jugendlichen und die Werkstatt stehen. Im Jahre 2000 war dies jedoch das Haus, in dem die junge Frau mit ihrer Familie wohnte, bevor diese ihr eigenes Zuhause in Mindo errichteten.


SALEM

Wann und wie hast du SALEM entdeckt?
Als ich 7 Jahre alt war zog meine Familie von der Küste Ecuadors nach Mindo, um in einer Organisation namens SALEM zu arbeiten. Dort habe ich begonnen, eine mir zuvor unbekannte Welt zu entdecken. Schnell entwickelte ich eine enge Beziehung zu den Projektleitern Maren und Darren, später zu Lilo und Bruno, die wie meine „zweiten Eltern“ sind. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein und sie stets tief im Herzen tragen!

Welche Rolle hat SALEM in deinem Schul- und Privatleben gehabt?
Aufgrund meiner Herkunft wurde ich anfangs öfters von Schulkollegen verbal und körperlich gemobbt. In Mindo gab es zum Glück eine zweite Schule und dank SALEM konnte ich diese dann auch besuchen. Sie bezahlten alles: Schulmaterialien, Essen, Schuluniform. Alle Ausgaben, die ein junges Mädchen für den Schulbesuch hat, wurden von SALEM übernommen. Außerdem hatte ich viele Vorteile, die sonst nur wenige in Mindo hatten. Und natürlich hätten das meine Eltern mit fünf Kindern nie ermöglichen können, aber sie vertrauten dem SALEM-Team in der Hoffnung auf eine besser Zukunft für uns.

Wie hat SALEM Dich im Studium unterstützt?
SALEM unterstützte mich zwei Jahre lang bei den Ausgaben für die Schule und dann ein weiteres Jahr für mein Selbststudium. Ich lebte von Montag bis Freitag in SALEM und verbrachte das Wochenende mit meinen Eltern. SALEM übernahm die Kosten für Essen, Kleidung, Schulmaterialien und Studiengebühren. Ich lernte Englisch, Kunsthandwerk, Tanzen, Nähen und Stricken in verschiedenen Kursen. Außerdem reiste ich viel mit Lilo und Bruno, so konnte ich wunderschöne Orte in Ecuador kennenlernen und viel dazulernen!

Wie hat SALEM bzw. die Menschen in SALEM dein Leben beeinflusst?
Wenn jemand von Gott berührt ist und dir selbstlos die Hand reicht in der Absicht und Überzeugung, dein Leben durch ihre Taten zu verändern, kann der Einfluss auf dich unvorstellbar groß sein; so wie ein Steinchen, das man in einen See wirft. Es bewirkt kleine Wellen, die immer größer werden. So hat SALEM mein Leben geprägt. Diese kleinen Wellen wachsen und es entsteht eine Reihe von positiven Veränderungen in uns und auf der Welt.

SALEM hat einen sehr positiven Einfluss auf mein Leben und das meiner Schwestern und meiner Eltern gehabt.

Ich habe viele Freunde gefunden, die für mich heute wie Brüder und Schwestern sind.

Was ist an SALEM besonders?
SALEM ist für mich die glücklichste Kindheit, die ich haben konnte, ein göttliches Geschenk.

SALEM ist der Beweis, dass es in dieser Welt Gutes gibt, dass es Hoffnung gibt und dass man alle seine Träume erfüllen kann.

Die Suche nach uns selbst ist der Sinn unserer Existenz. SALEM war für mich wie ein Superheld, der mir zur Hilfe kam. Ich habe nichts erwartet, dieser Held kam aus dem Nichts und beschützte mich und meine Geschwister vor vielen negativen Erfahrungen, die uns zugestoßen waren, und half meinen hart arbeitenden Eltern. Meine Mutter wusch die Wäsche anderer, um Geld zu verdienen, meistens hatte sie extrem viel Arbeit. Als SALEM kam, war sie erleichtert da sie wusste, dass es uns gut gehen würde! Im Projekt habe ich auch meine zweiten Eltern kennengelernt: Lilo und Bruno, die ich nie vergessen werde. Sooft ich kann, schreibe ich Bruno, ich schätze ihn sehr und er weiß es. SALEM ist für mich auf so viele Arten besonders!

Was möchtest Du unseren Spendern und Unterstützern mitteilen?
Zuallererst ein großes herzliches Dankeschön für die Hilfe, die ich bekommen habe und die viele Kinder weiterhin bekommen. Ich möchte Ihnen sagen, dass SALEM wirklich Leben bewegt und verbessert, und dass Sie durch Ihre Spende Leben bewegen und verbessern.

Was ist denn ein Leben ohne Wohltaten? Was ist ein Leben, ohne den anderen zu dienen?

Es fühlt sich leer an. Wenn Sie das Leben eines Kindes mit Träumen und Ambitionen verändern wollen, dann kann ihre Hilfe entscheidend sein.

Ein kleiner Beitrag heute kann morgen ganz Großes bewirken!

Die Zukunft

Was sind deine Pläne / Projekte / berufliche Visionen für die Zukunft?
Mein Ziel ist eine Arbeit voller Motivation mit positiven Auswirkungen auf das Leben der anderen. Ich will Dinge machen, die mir Freude bereiten und wenn ich dabei Geld verdienen kann, umso besser!
Ich möchte in Zukunft Freelance-Projekte für Grafikdesign entwickeln und nebenbei als Lehrer Kunsterziehung unterrichten. Ich denke, dass man durch Lehren selber dazulernt. Für mich ist Lehrer ein sehr nobler Beruf.
In Bezug auf meine Zukunft, stelle ich mir viele tolle Sachen vor. Ich bin mir sicher, dass ich mich weiterentwickeln und bessere Ideen haben werde!

Ich denke, dass ich durch meine Arbeit meinen Mitmenschen auf irgendeine Art und Weise helfen und mein Umfeld verbessern werde.

Was sind deine persönlichen Ambitionen Wünsche und Träume für die Zukunft?
Ich beabsichtige, mein Wissen im Bereich des industriellen Grafikdesigns zu nutzen, um alltägliche Probleme von Menschen in ländlichen Gebieten zu lösen. Zum Beispiel der Entwurf eines erschwinglichen und funktionellen Systems von Kompost-Toiletten. Oder die Gestaltung von Unterrichtsmaterialien für Kinder, um ein schnelles und einfaches Lernen zu ermöglichen.
Ein anderer Traum von mir wäre die Eröffnung einer Schule in Cube, einem kleinen Dorf in dem meine Eltern wohnen, um somit den Kindern der Landwirten vor Ort eine Ausbildung zu bieten. Sie sollen lernen, wie wichtig es ist, die Natur zu erhalten, wie man zum Beispiel auf einfache Weise biologische Insektizide machen kann oder vieles mehr. Ich denke, dass Landwirte in der Gesellschaft einen wichtigen Platz haben. Eine nachhaltige Landwirtschaft und ein Leben auf dem Land ist für mich die schönste Zukunft, die ich jemandem wünschen kann.

Welchen Rat würdest Du Jugendlichen geben?
Liebe Jugendliche, ich fordere euch auf, in euch zu schauen, nicht der Mode zu folgen, nicht den anderen alles nachzumachen, euch eure eigene Meinung zu bilden, die Welt mit eigenen Augen zu sehen, zu lesen, eure Jugend zu nutzen und immer neugierig zu sein.

Lasst die Finger von Drogen und Alkohol, daran verliert ihr nur. Schafft euch Freundeskreise für positive Aktivitäten wie Reisen, lernt neue Kulturen, neue Lebensweisen und neue Weltanschauungen kennen. Aber vor allem pflegt eure persönlichen Werte und Prinzipien, so werdet ihr Probleme vermeiden und später dafür belohnt werden!

Wenn du den Lesern noch eine wichtige Weisheit mitgeben könntest, welche wäre es?

Suche nicht draußen was bereits in dir ist!


Wir danken Maricela für dieses Interview! Wir wünschen ihr viel Glück und Erfolg mit ihren Ideen und Träumen! Außerdem freuen wir uns auf weitere zukünftige Zusammenarbeiten und spannende Projekte mit ihr.

Für eine Kontaktaufnahme mit Maricela: facebook.com/mguadamud.r


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